Thorsten Requadt
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Junge Leute dauerhaft für das Handwerk gewinnen

Interview

Thorsten Requadt spricht im Interview über die Herausforderungen der Berufsbildung und -orientierung.

Seit Januar ist Thorsten Requadt Abteilungsleiter Berufsausbildung der Handwerkskammer der Pfalz in Kaiserslautern und verantwortlich für die Lehrlingsrolle, das Prüfungswesen, die Ausbildungsbetreuung sowie die Ausbildungsprojekte. Über seine Ideen für den Bereich Ausbildung und die Auswirkungen der Corona-Krise spricht er im Interview.

Handwerkskammer: Herr Requadt, bevor Sie bei der Handwerkskammer angefangen haben, arbeiteten Sie bei der Hochschule Kaiserslautern, in wie weit unterscheiden sich Ihre Aufgaben?

Requadt: An der Hochschule Kaiserslautern koordinierte ich Projekte zur berufsbegleitenden Weiterbildung. Das hat einige Parallelen zur jetzigen Arbeit. So waren die Projekte unter anderem offen für Personen mit beruflicher Qualifizierung ohne klassische Hochschulzugangsberechtigung. Das Ziel war, möglichst vielen einen Abschluss zu ermöglichen. Das Projekt LehrePlusHS fiel auch in meine Zuständigkeit. So entstanden die ersten Berührungspunkte zur Handwerkskammer.

In der Abteilung Berufsausbildung stehen – mit Ausnahme der Umschüler - die meisten Personen vor dem Eintritt ins Berufsleben. Sie haben verschiedene Bildungsabschlüsse und familiäre Hintergründe. Jede Zielgruppe benötigt eine eigene Ansprache und Angebote. Ziel muss es sein, die Jugendlichen nicht nur für eine Ausbildung im Handwerk zu gewinnen, sondern ihnen auch langfristige Perspektiven zu eröffnen. Das Image des Handwerks muss weiter gestärkt werden.

Handwerkskammer: Was muss getan werden, um dieses Ziel zu erreichen?

Requadt: Im Bereich Berufsorientierung gibt es bereits einige attraktive Projekte, auch für Jugendliche mit Migrationshintergrund. Das A und O bei allen Maßnahmen, ist immer wieder zu prüfen – erreichen wir die Zielgruppe noch? Insbesondere die „traditionellen“ Adressaten sollten wir nicht außer Acht lassen. Der überwiegende Anteil der Auszubildenden hat Mittlere Reife und Berufsreife - gerade hier müssen wir attraktive Angebote schaffen, um sie im Handwerk zu halten. Dass wir jetzt verstärkt auch an Gymnasien sind, finde ich gut. Ich könnte mir hier zum Beispiel vorstellen, das Pilotkonzept LehrePlusHS für die Informationselektroniker und Elektroniker Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik auch in weiteren Gewerken anzubieten.

Handwerkskammer: Mit Blick auf die letzten Wochen und Monate: In welchem Ausmaß hat die Corona-Krise die Arbeit in der Abteilung Berufsbildung verändert und wie haben Sie darauf reagiert?

Requadt: Aufgrund der Corona-Pandemie mussten wir alternative, digitale Angebote entwickeln, es wurden zum Beispiel digitale virtuelle Berufsorientierungsmaßnahmen sowie Online-Seminare durchgeführt. Diese Aktivitäten haben - unabhängig von der momentanen Situation - eine große Relevanz und sind ein wichtiger Baustein des zukünftigen Angebotsspektrums der Handwerkskammer der Pfalz.

Handwerkskammer: Was sind die größten Herausforderungen in dieser Zeit?

Requadt: In der aktuellen Situation ist derzeit ein Rückgang der neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse im Kammerbezirk zu verzeichnen. Eine von uns jüngst durchgeführte Umfrage zeigt jedoch, dass das Ausbildungsangebot des Handwerks auch in Krisenzeiten stabil bleibt. Die Akteure in der Region müssen deshalb zielgerichtet zusammenarbeiten, um den Ausbildungsmarkt wieder zu konsolidieren und den zukünftigen Fachkräftebedarf weiterhin zu sichern.

Das Interview führte MELANIE MINGES.