Gesellentag 2012

08.05.2012Fachkräftesicherung und Internet

Fachkräftesicherung und interaktives Internet

Gesellentag: Handwerkskammer der Pfalz führte zum achten Mal Vortrags- und Diskussionsveranstaltung zu Belangen der Arbeitnehmer im Handwerk durch 

Die Auswirkungen von interaktiven Internetanwendungen auf die Arbeitswelt – die so genannte „Arbeitswelt 2.0“ – und die Fachkräftesicherung im Handwerk standen im Mittelpunkt des diesjährigen Gesellentages der Handwerkskammer der Pfalz, zu dem Arbeitnehmer-Vizepräsident Michael Lehnert rund 40 Teilnehmer begrüßen konnte.

Zum Thema interaktive Internetanwendungen referierte Professor Martin Selchert von der Hochschule Ludwigshafen, der sich als Leiter des Kompetenzzentrums für Innovation und Marktorientierte Unternehmensführung in einem Forschungsprojekt mit der Arbeitswelt 2.0 befasst. In seinem Vortrag machte Selchert deutlich, dass die so genannten Sozialen Medien Chancen und Risiken sowohl für Arbeitnehmer als auch für Unternehmer bieten. 

Statt Informationen nur aufzunehmen können Mitarbeiter von Unternehmen, diese nun auch aktiv ganzen Netzwerken zur Verfügung stellen. Negative oder falsche Informationen können damit massenweise und unkontrolliert verbreitet werden, während positive Informationen die Bekanntheit und das Image eins Unternehmens steigern können. Vor diesem Hintergrund empfahl Selchert, „Mitarbeitern den Umgang mit den neuen Medien nicht zu verbieten, sondern als Chance für das Unternehmen zu nutzen“. 

Zum Thema Fachkräftesicherung nahm aus der Sicht der Gewerkschaften der Leiter Handwerkspolitik beim Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Helmut Dittke, Stellung. Er machte deutlich, dass die Handwerksnovelle von 2004 nicht nur zu einer Gründungswelle mit vielen Kleinbetrieben, sondern auch zu mehr prekären Arbeitsverhältnissen im Handwerk geführt hat, da damit auch die Tarifbindung unterlaufen wurde. 

Besorgt äußerte sich Dittke über die Entwicklung der Tarifverträge im Handwerk. Da die Mitgliedschaft in den Innungen immer weiter absinke, würden immer mehr Handwerksbetriebe aus der Tarifbindung herausfallen. Darüber hinaus, so Dittke, verweigern immer mehr Innungen Tarifverhandlungen mit den DGB-Gewerkschaften oder bieten ihren Mitgliedsbetrieben „Mitgliedschaften ohne Tarifbindung“ an. Dem stehe aber gegenüber, dass Innungen als Körperschaften des öffentlichen Rechts zu Tarifverhandlungen verpflichtet seien. 

Mit Nachdruck sprach sich Dittke für eine attraktive Bezahlung im Handwerk sowie für konkurrenzfähige Ausbildungsvergütungen aus, da alle Untersuchungen zeigten, „dass bei der Berufswahl und Berufsausübung gute Verdienstmöglichkeiten an oberster Stelle stehen“. 

Zuvor hatte Vizepräsident Lehnert in seiner Begrüßung ein Bekenntnis zum Flächentarif abgelegt und sich für die Einführung eines „allgemeingültigen Mindestlohns“ stark gemacht, „da sich die tariflichen Mindestlöhne in vielen Handwerksbranchen bewährt haben“. Präsidentin Brigitte Mannert machte in ihrem Grußwort deutlich, dass die Fachkräftesicherung eine zentrale Herausforderung für das Handwerk sei, die nur „in konstruktiver Zusammenarbeit der Sozialpartner gelöst werden kann“.