15.04.2026Frühjahrsumfrage zur Konjunktur 2026

Das pfälzische Handwerk - Zwischen Stabilität und Unsicherheit

Zu Beginn des Jahres 2026 bleibt die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland fragil. Nach einer leichten Erholung zum Jahresende 2025 dämpfen aktuelle Entwicklungen die Erwartungen an einen nachhaltigen Aufschwung. Insbesondere geopolitische Spannungen – vor allem im Nahen Osten – sowie steigende Energiepreise belasten die Konjunktur.

Nach aktuellen Prognosen führender Wirtschaftsinstitute wird sich die wirtschaftliche Erholung zwar fortsetzen, jedoch deutlich abgeschwächt. Für das laufende Jahr wird ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,6 bis 0,8 Prozent erwartet. Die Inflation dürfte sich bei etwa 2,8 Prozent stabilisieren, bleibt jedoch angesichts des aktuellen Energiepreisschocks mit Unsicherheiten behaftet (Quelle: https://www.ifo.de/fakten/2026-04-01/gemeinschaftsdiagnose-fruehjahr-2026-energiepreisschock-ueberlagert-fiskalimpuls, https://www.diw.de/de/diw_01.c.1004058.de/gemeinschaftsdiagnose_fruehjahr_2026__energiepreissch).

Insgesamt verläuft die konjunkturelle Erholung bislang schleppend. Sie wird stark von externen Faktoren beeinflusst, insbesondere von der Entwicklung der Energiepreise und der globalen Nachfrage (Quelle: https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-KfW-Konjunkturkompass/KfW-Konjunkturkompass-Februar-2026.pdf). Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie sich diese Rahmenbedingungen auf das Handwerk in der Pfalz auswirken. Die Frühjahrsumfrage 2026 unter rund 3.000 Mitgliedsbetrieben liefert hierzu aktuelle Einblicke in Geschäftslage, Auftragsentwicklung, Umsätze, Investitionen und Erwartungen der pfälzischen Handwerksbetriebe.

Aktuelle Geschäftslage (Vorjahreswerte in Klammern)
Die aktuelle Geschäftslage im pfälzischen Handwerk zeigt sich trotz der angespannten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiterhin stabil. 76,8 Prozent der Betriebe bewerten ihre Lage als verbessert oder gleichbleibend (Vorjahr: 76,2 %). Dabei berichten ein Drittel (36,6 %) von einer verbesserten Geschäftslage, während 43,5 Prozent (39,6 %) eine unveränderte Entwicklung angeben. Der Anteil der Betriebe, deren Lage sich verschlechtert hat, liegt mit 23,2 Prozent (23,8 %) nahezu auf Vorjahresniveau.

Zwischen den Gewerken zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede. Während die Bau- und Ausbaugewerbe, Kfz-Betriebe und personenbezogenen Dienstleister von einer weitestgehend stabilen Entwicklung berichten, hat sich die Lage bei den Handwerkern für den gewerblichen Bedarf eingetrübt. Hier meldeten 20,4 Prozent (35,3 %) eine gute, 46,3 Prozent (43,1 %) eine gleichbleibende und 33,3 Prozent (18,8 %) eine verschlechterte Geschäftslage. Vieles deutet darauf hin, dass sich die angespannte Konjunktur in der Industrie auf deren wirtschaftliche Situation auswirkt.

Auch die Zufriedenheit – gemessen an der guten bzw. gleichbleibenden Geschäftslage – der Nahrungsmittelbetriebe ist mit 73,7 Prozent (81,3 %) etwas zurückgegangen. Die Gesundheitshandwerke meldeten hingegen alle (75 %) eine mindestens gleichbleibende Entwicklung und somit keine Verschlechterung ihrer aktuellen betriebswirtschaftlichen Situation. Insgesamt bleibt die Geschäftslage im Handwerk stabil, wobei sich in einzelnen Branchen eine zunehmende Differenzierung zeigt.

Preisentwicklung
Die Preisentwicklung im Handwerk bleibt angespannt. 82,5 Prozent der Betriebe berichten von gestiegenen Einkaufspreisen (Vorjahr: 68,2 %). Damit hat sich der Kostendruck gegenüber dem Vorjahr nochmals deutlich verschärft.

Preisanstiege zeigen sich über nahezu alle Gewerke hinweg, besonders stark im Nahrungsmittel- und Gesundheitsbereich sowie bei den gewerblichen Zulieferern. Demgegenüber konnten die gestiegenen Kosten nur teilweise an die Kunden weitergegeben werden. 40,1 Prozent (37,2 %) der Betriebe haben ihre Verkaufspreise erhöht, während die Mehrheit von 54,7 Prozent (57,2 %) ihre Preise stabil halten konnte. Dies verdeutlicht den anhaltenden Margendruck im Handwerk. Auch für die kommenden Monate ist keine Entlastung in Sicht. 77,5 Prozent (59,4 %) der Betriebe erwarten weiter steigende Einkaufspreise. Gleichzeitig gehen 47,9 Prozent (38,9 %) davon aus, ihre Verkaufspreise anheben zu müssen, während knapp die Hälfte mit stabilen Preisen rechnet.

Insgesamt dürfte sich die Preissituation jedoch weiter verschärfen: Noch bevor der Energiepreisschock eintrat – ausgelöst durch den Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus – , belasteten steigende Beschaffungskosten bei nur begrenzt durchsetzbaren Verkaufspreisen die wirtschaftliche Entwicklung vieler Handwerksbetriebe. Durch den anhaltenden Iran-Konflikt ist zu erwarten, dass der Druck auf die Betriebe weiter zunimmt.

Umsatzentwicklung
Die Umsatzentwicklung im pfälzischen Handwerk bleibt verhalten. 40,6 Prozent der Betriebe berichten von gesunkenen Umsätzen (Vorjahr: 42,4 %), während 42,7 Prozent (43,4 %) ein gleichbleibendes Niveau verzeichnen. Lediglich 16,7 Prozent (14,2 %) konnten ihre Umsätze steigern.

Besonders deutlich zeigen sich Umsatzrückgänge im Kfz-Gewerbe sowie bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf. Als kleiner Lichtblick in den ansonsten stagnierenden Umsatzentwicklungen, konnten 60 Prozent der Gesundheitshandwerke ihren Umsatz steigern.

Die Erwartungen für die kommenden Monate bleiben insgesamt verhalten. 24,7 Prozent (27,5 %) der Betriebe rechnen mit steigenden Umsätzen, während die Hälfte (51,5 %) von einer gleichbleibenden Entwicklung ausgeht. Der Anteil der Betriebe mit sinkenden Umsatzerwartungen liegt bei 26 Prozent (21 %). Insgesamt zeigt sich damit eine gedämpfte Umsatzdynamik, bei der eine klare Erholung bislang ausbleibt.

Betriebsauslastung und Auftragslage
Die Betriebsauslastung im pfälzischen Handwerk ist im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen. 62,6 Prozent der Betriebe berichten von einer Auslastung von über 70 Prozent (Vorjahr: 64,7 %). Besonders deutlich fällt der Rückgang im Kfz-Gewerbe aus, während sich einzelne Branchen, wie das Nahrungsmittel- und das Gesundheitshandwerk, stabiler zeigen.

Auch beim Auftragsbestand ergibt sich ein verhaltenes Bild. 55,2 Prozent (55,3 %) der Betriebe bewerten ihre Auftragslage als saisonüblich, während 35,2 Prozent (34,8 %) einen unterdurchschnittlichen Bestand melden. Die durchschnittliche Reichweite der Auftragsbücher liegt bei rund 9,6 Wochen (10,8 Wochen) und ist damit leicht rückläufig.

Die Entwicklung der Auftragseingänge bestätigt diesen Trend: 34,9 Prozent (38,7 %) der Betriebe berichten von rückläufigen Auftragseingängen gegenüber dem Vorquartal, während 47,1 Prozent (39,5 %) ein stabiles Niveau verzeichnen. Nur 18 Prozent (21,9 %) konnten Zuwächse erzielen. Besonders deutlich zeigen sich Rückgänge im Kfz-Gewerbe sowie bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf.

Die Erwartungen für die kommenden Monate bleiben insgesamt vorsichtig. Ein Viertel (27,2 %) der Betriebe rechnet mit steigenden Auftragseingängen, während die Mehrheit von 53,6 Prozent (57,7 %) von einer gleichbleibenden Entwicklung ausgeht. Der Anteil der Betriebe mit rückläufigen Erwartungen ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen und liegt bei 21,5 Prozent (15,1 %). Insgesamt deutet sich damit eine weiterhin stabile, aber tendenziell rückläufige Nachfrage im Handwerk an.

Personalbestand
Der Personalbestand der Umfrageteilnehmer bleibt insgesamt stabil. 71,9 Prozent der Betriebe berichten von einer unveränderten Beschäftigtenzahl (Vorjahr: 67,6 %). Während 9,2 Prozent (8,0 %) ihre Mitarbeiterzahl erhöhen konnten, melden 19 Prozent (24,1 %) einen Rückgang des Personalbestands. Besonders im Baugewerbe zeigt sich ein überdurchschnittlicher Personalabbau, während sich andere Branchen – etwa das Kfz- und das Gesundheitshandwerk – teilweise stabilisieren konnten.

Auch für die kommenden Monate zeichnet sich keine grundlegende Trendwende ab. 74,9 Prozent (74,6 %) der Betriebe planen, ihre Beschäftigtenzahl konstant zu halten. Lediglich 9,7 Prozent (12,3 %) beabsichtigen Neueinstellungen, während 15,4 Prozent (13,1 %) von einem weiteren Personalrückgang ausgehen.

"Für die Handwerkskammer ist diese Situation alarmierend", betont Dr. Till Mischler, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer der Pfalz. "Obwohl Fachkräfte grundsätzlich fehlen, müssen Handwerksbetriebe aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation Personal entlassen. Das bedeutet nicht nur einen kurzfristigen Verlust an Arbeitsplätzen, sondern gefährdet nachhaltig die Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit dieser Branche." Die Folge sei ein sich selbst verstärkender Teufelskreis: Weniger Personal führt zu geringerer Leistungsfähigkeit, längeren Durchlaufzeiten und möglichen Auftragsverlusten. Zugleich sinkt in vielen Betrieben die Ausbildungsbereitschaft, wodurch der ohnehin knappe Nachwuchs weiter schrumpft. Regional drohen dadurch eine Schwächung des lokalen Arbeitsmarkts und der wirtschaftlichen Leistung.

"Für die Handwerkskammer ist es daher entscheidend, jetzt mit Maßnahmen zu unterstützen, die Betriebe stabilisieren, Arbeitsplätze sichern und Ausbildungskapazitäten erhalten – etwa durch gezielte betriebswirtschaftliche Beratung", erklärt Dr. Till Mischler.

Investitionen
Die Investitionstätigkeit bleibt weiterhin zurückhaltend. Zwar berichten 14,8 Prozent (13,5 %) der Betriebe von gestiegenen Investitionen, gleichzeitig geben jedoch 49 Prozent (42,0 %) an, ihre Investitionen reduziert zu haben. Besonders deutlich ist die Zurückhaltung bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf, wo ein Großteil der Betriebe Investitionen zurückfährt. Auch mit Blick auf die Zukunft bleibt die Investitionsbereitschaft gedämpft. 47,2 Prozent (52,9 %) der Betriebe planen ein gleichbleibendes Investitionsniveau, während 41 Prozent (37,3 %) weitere Kürzungen erwarten. Nur 11,8 Prozent (9,8 %) gehen von steigenden Investitionen aus. Insgesamt zeigt sich, das Personal und Investitionsentscheidungen stark von Unsicherheit geprägt sind.

"Für das Handwerk bedeutet das substanzielle Risiken für die Zukunftsfähigkeit, die Ausbildungsleistung und die regionale Versorgung mit handwerklichen Leistungen", sagt Dr. Till Mischler. "Denn ohne ausreichende Investitionen verlieren Betriebe an Wettbewerbsfähigkeit, weil Modernisierung, Digitalisierung und Effizienzsteigerungen ausbleiben. Das drückt die Produktivität und schmälert die Ertragslage. Dies gefährdet in der Folge nicht nur einzelne Betriebe, sondern auch die Stabilität regionaler Wertschöpfungsketten."

Zukünftige Geschäftslage
Die Erwartungen für die kommenden Monate bleiben im pfälzischen Handwerk insgesamt verhalten. 81,5 Prozent der Betriebe gehen von einer gleichbleibenden oder verbesserten Geschäftslage aus (Vorjahr: 88,0 %). Dabei rechnen 24,3 Prozent (27,1 %) mit einer Verbesserung, während 57,2 Prozent (60,9 %) von einer konstanten Entwicklung ausgehen. Der Anteil der Betriebe mit pessimistischen Erwartungen ist auf 18,5 Prozent (12,0 %) gestiegen.

Besonders deutlich zeigt sich die Eintrübung bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf, wo ein spürbar höherer Anteil der Betriebe von einer Verschlechterung ausgeht. Auch im Kfz-Gewerbe haben sich die Erwartungen merklich differenziert. Demgegenüber erwarten das Baugewerbe sowie Teile des Ausbau- und Nahrungsmittelhandwerks eine überwiegend stabile Zukunft.

Fazit
Das pfälzische Handwerk präsentiert sich im sorgenvollen Umfeld des Frühjahrs 2026 insgesamt stabil, auch wenn die wirtschaftliche Dynamik gegenüber dem Vorjahr nachgelassen hat. Eine überwiegend konstante Geschäftslage und solide Auslastung in einzelnen Gewerken zeigen, dass viele Betriebe ihre wirtschaftliche Basis trotz schwieriger Rahmenbedingungen bemerkenswert gut sichern. In anderen Bereichen hinterlässt die anhaltende Krisensituation jedoch bereits deutliche Spuren.

In der Gesamtschau ist eine zunehmende Zurückhaltung erkennbar. Darauf weisen zentrale Kennzahlen wie Umsatzentwicklung, Auftragseingänge und Investitionsbereitschaft hin. Der steigende Kostendruck bei den Einkaufspreisen, kombiniert mit nur begrenzt durchsetzbaren Verkaufspreisen, belastet die Ertragslage zusätzlich. Auch in der Personalplanung überwiegt eine abwartende Haltung, die die anhaltende Unsicherheit widerspiegelt. Zwar bleiben die Erwartungen für die kommenden Monate mehrheitlich stabil, der Anteil vorsichtiger bis pessimistischer Einschätzungen nimmt jedoch zu. Insgesamt deutet sich damit eine weiterhin fragile konjunkturelle Lage an, in der eine nachhaltige Erholung bislang ausbleibt.

Umso dringlicher seien jetzt überfällige Reformen zur Stärkung der Wirtschaft. "Die Erwartungshaltung im Handwerk ist hoch", erklärt Dr. Till Mischler. "Es braucht gezielte wirtschaftspolitische Impulse – etwa Investitionsprogramme, bürokratische und steuerliche Entlastungen sowie dauerhaft niedrigere Energie- und Stromkosten –, um die Lage nachhaltig zu verbessern und kleine wie mittlere Unternehmen spürbar zu entlasten. Nur ein solcher Gesamtansatz kann die Wettbewerbsfähigkeit der Handwerksbetriebe dauerhaft sichern."