Für die Energieberatung ist Hilfe in Sicht: Deutschlandkarte für Altbaumaterialien und -konstruktionen
Energetische Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen müssen im Bestand mit besonderer Sorgfalt geplant und ausgeführt werden, um negative bauphysikalische Auswirkungen und Bauschäden zu vermeiden. Für eine effiziente und damit wirtschaftliche Planung und Beratung fehlt derzeit eine Hilfestellung, die bei der schnellen sowie zerstörungsfreien Zuordnung der anzutreffenden Konstruktionen und Materialien Anwendung finden kann. Ebenso gibt es keine zusammenhängenden Erkenntnisse über die Verbreitung oder Verteilung der Altbaumaterialien. Existierende Arbeitsunterlagen wie Typologien auf regionaler Ebene beantworten die anstehenden Fragen nicht in ausreichendem Maß.
Diese Problemstellungen waren die Leitfragen eines Forschungsprojekts des Zentrums für Umweltbewusstes Bauen e.V. (ZUB) in Kassel, dessen Durchführung mit Mitteln des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) gefördert wurde. Als Ergebnis der zweijährigen Arbeit „Erfassung regionaltypischer Materialien im Gebäudebestand mit Bezug auf die Baualtersklasse und Ableitung typischer Bauteilaufbauten" wird jetzt die „Deutschlandkarte für Altbaumaterialien und -konstruktionen (DEMAKOalt)" vorgestellt. Ein mögliches Folgeprojekt könnte dazu dienen, die Untersuchungsdichte zu erhöhen, bisher unbearbeitete Regionen einzubeziehen und über eine Digitalisierung der Inhalte die Anwendbarkeit und die Verfügbarkeit zu verbessern.
So funktioniert die DEMAKOalt
In Form eines an den Postleitzahlen orientierten Kataloges werden den verschiedenen Regionen Deutschlands typische Baumaterialien und Konstruktionsarten zugeordnet und jeweils chronologisch in Baualtersklassen aufgelistet. Künftig sind damit nur zwei Angaben für die energetische Klassifizierung der Bauteile eines Bestandsgebäudes notwendig: Die Lage des Gebäudes und damit die Postleitzahl und das Baualter. Als potentielle Nutzergruppen kommen vor allem Energieberater in Frage, aber auch Planer und politische Sachverständige, die an neuen Verordnungen oder Normen arbeiten. Eine derart regional- und baualtersabhängig strukturierte Karte hilft den Verantwortlichen bei der Erreichung der notwendigen Planungssicherheit, da sie von einer fundierten Basis ausgehend arbeiten können. Somit können Einsparpotenziale optimal ausgenutzt sowie Bauschäden durch unzureichende bauphysikalische Ansätze vermieden werden. Bei der Energieausweiserstellung und der grundlegenden Normungsarbeit profitieren die Akteure ebenfalls von dieser Form der Datenkartierung.
Die DEMAKOalt verfolgt den Weg „von unten nach oben", was bedeutet, dass über die Kenntnis der Materialien und Bauteilaufbauten der reale U-Wert rechnerisch bestimmt wird. Auf diese Weise ergeben sich konkrete und stimmige Angaben, die für die weitere Verwendung bei der Planung und Realisierung energetischer wie auch bauphysikalischer Sanierungsmaßnahmen zielführend sind.
Weitere Informationen erhalten Sie auf der Website
des Zentrums für Umweltbewusstes Bauen e.V. (ZUB), Kassel
[Quelle: http://www.zub-kassel.de/presse/article?id=272 , Zugriff: 08.01.2010]
(aus EOR-newsletter 1/2010)