30.06.2011Handwerkskammer der Pfalz stellt bei der Vollversammlung aktuelle Wirtschafts- und Ausbildungsdaten und den Geschäftsbericht 2010 vor

Außerordentlich gute Wirtschaftslage und leicht steigende Lehrvertragseingänge

Vor der Vollversammlung der Handwerkskammer der Pfalz hat Präsidentin Brigitte Mannert dem Handwerk in der Pfalz eine „außerordentlich gute Wirtschaftslage“ bescheinigt“ und über leicht steigende Zahlen bei neu abgeschlossenen Lehrverträgen berichtet. Der Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2010 wurde von Hauptgeschäftsführer Ralf Hellrich vorgestellt.
 
In ihrem Sachstandsbericht sagte Mannert, dass „fast alle Bereiche des Handwerks von diesem Aufschwung erfasst sind“. Sie erläuterte diese Einschätzung mit den Ergebnissen der Frühjahrsumfrage der Handwerkskammer der Pfalz zur Handwerkskonjunktur und begründete sie vor allem mit den positiven Einschätzungen zur Geschäftslage. 82 Prozent der befragten Betriebe hätten sich gut oder zufriedenstellend zu ihrer aktuellen Geschäftslage geäußert; das seien fast 20 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Eine überdurchschnittlich gute Geschäftslage bescheinigte sie den Bau- und Ausbauhandwerken, den Zulieferhandwerken und den Kfz-Betrieben.
 
Zur politischen Einordnung der Wirtschaftssituation sagte Mannert, die gute Entwicklung dürfe nicht über eine Reihe von Risikofaktoren hinwegtäuschen. Dazu gehörten die Euro-Krise, die steigenden Preise und die Energiewende. Die Energiewende eröffne dem Handwerk allerdings auch Chancen. Voraussetzung für eine erfolgreiche Energiewende sei aber „Verlässlichkeit und Planungssicherheit bei der Förderpolitik auf Bundes- und Landesebene“. Mannert sprach sich für eine Reform der Einkommensteuer aus, um die „kalte Progression und den so genannten Mittelstandsbauch zurückzuführen“.

Vor dem Hintergrund des Koalitionsvertrages der neuen rheinland-pfälzischen Landesregierung lobte Mannert das im Koalitionsvertrag festgeschriebene Bekenntnis zum Mittelstand und die Absicht, bei Investitions- und Sanierungsprojekten dem Handwerk und Mittelstand größere Chancen einzuräumen. Als wenig sinnvoll bezeichnete sie allerdings die Absicht, bei öffentlichen Aufträgen die Einführung sozialer und ökologischer Vergabeverfahren ins Auge zu fassen. Zur Bildungspolitik der Landesregierung sagte Mannert, dass im Koalitionsvertrag die schulische Bildung zu stark im Vordergrund stehe. Stattdessen plädierte sie für eine „höhere Wertigkeit der dualen Berufsausbildung und für eine gezielte Berufsorientierung an den Schulen“.

Eher verhalten äußerte sich die Kammerpräsidentin zur Ausbildungssituation im pfälzischen Handwerk. Sie verwies darauf, dass die Zahl der Lehrvertragseingänge im Kammerbezirk zum 31. Mai um 5,2 Prozent über dem Vorjahresniveau lag. Diese leichte Verbesserung sei aber noch kein Jahresergebnis und dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, „dass die Zahl der Bewerber sinkt“. Deshalb müsse das Handwerk um jeden Jugendlichen werben. Das gelte „für Jugendliche mit Migrationshintergrund genauso wie für Abiturienten“.

Zu den wichtigsten statistischen Zahlen aus dem Geschäftsbericht 2010, den Hauptgeschäftsführer Ralf Hellrich vorstellte, gehört ein Anstieg der eingetragenen Handwerksbetriebe um 328 auf 17.483 und eine Abnahme der eingetragenen Ausbildungsverträge um 617 auf 7.627. Hellrich verwies auf den hohen Stellenwert der Bekämpfung der Schwarzarbeit bei der Handwerkskammer. Mit 595 Anzeigen bei den zuständigen Ordnungsbehörden und 147 erreichten Bußgeldverfahren leiste die Kammer dazu einen wichtigen Beitrag. Mit 781 Betriebsberatungen und 1.300 Rechtsberatungen habe die Handwerkskammer im vergangenen Jahr auch einen wichtigen Service für Handwerksbetriebe in der Pfalz geleistet.