Brigitte Mannert

19.02.2010"Kompetenz mit Herz"

Die Präsidentin der Handwerkskammer der Pfalz, Brigitte Mannert, formuliert ihre Pläne und Ziele
   

Mit der Wahl zur Präsidentin der Handwerkskammer der Pfalz ist Brigitte Mannert in eine Männerdomäne vorgedrungen. Denn die 55-jährige Friseurmeisterin aus  Alsenz ist bundesweit erst die zweite Frau, die diese Spitzenposition im Handwerk erobert hat. Bislang ist das nur der Damenschneidermeisterin Lena Strothmann als Präsidentin der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe gelungen.

Dass dies etwas Besonderes ist und dass Frauen in der Handwerksorganisation traditionell unterrepräsentiert sind, weiß sie natürlich auch. Ausschlaggebend für ihre Bewerbung in das höchste Ehrenamt des pfälzischen Handwerks, so versichert sie mit einem freundlichen Lachen, sei das allerdings nicht gewesen. Sie habe sich um das Amt beworben, weil ihr die fünf Jahre als Vizepräsidentin „viel Spaß und Mut für das Präsidentenamt gemacht haben“. Allerdings, so fügt sie schmunzelnd hinzu: „Ich denke, das weibliche Element ist belebend für das Handwerk“.

Zielstrebig war Brigitte Mannert schon immer. Das verdeutlicht ihr Lebenslauf:  Nach dem Hauptschulabschluss hat sie von 1969 bis 1971 das Friseurhandwerk erlernt, 1976 die Meisterprüfung abgelegt und sich 1986 mit einem Friseursalon in Alsenz selbständig gemacht. Allerdings blieben ihre Interessen nicht auf ihr Fach beschränkt: Zwischen 1973 und 1977 bildete sie sich im Fernstudium an der Akademie für Erwachsenenbildung in Stuttgart weiter, legte 1975 die Fachschulreife ab und schloss 1977 ihr Fernstudium mit einem Diplom in Betriebswirtschaft ab.

In ihrem Hauptberuf führt die verheiratete Mutter zweier erwachsener Kinder den Friseursalon mit fünf Mitarbeiterinnen. Auf die Frage, wie der mit dem Amt verbundene Zeitaufwand für Termine, Sitzungen und Versammlungen sich mit ihrem Berufs- und Privatleben vereinbaren lasse, bleibt sie gelassen. Sie habe in den Jahren als Vizepräsidentin die Erfahrung gemacht, sich auf ihre Mitarbeiterinnen verlassen zu können: „Ich habe gelernt, auch loszulassen“. Erholung finde sie bei ihren Hobbys: beim Walken und Lesen.

Mit diesem Rückhalt hat sich die Friseurmeisterin, die vier Jahre lang Obermeisterin der Friseur-Innung Donnersbergkreis war, für ihre fünfjährige Amtszeit einiges vorgenommen. Die Handwerkskammer wird nach ihrer Überzeugung in Handwerk, Politik und Öffentlichkeit „als kompetenter Ansprechpartner“ wahrgenommen, und sie werde daran weiterarbeiten, „dass das pfälzische Handwerk auch künftig als starke Wirtschaftsmacht und attraktiver Arbeitgeber gesehen wird“. Sie wolle „Kompetenz mit Herz“ verbinden. Sehr wichtig ist ihr: „Die Steigerung der Wirtschaftskraft und der Wettbewerbsfähigkeit des regionalen Handwerks“.

Von großer Bedeutung ist nach ihrer Einschätzung aber auch, „Jugendliche für eine Lehre im Handwerk zu gewinnen“. Deshalb müsse das Handwerk in den Schulen einschließlich der Gymnasien präsenter werden, „um zu zeigen, wie hochkarätig die Anforderungen im Handwerk sind“. Aus dem gleichen Grund ist sie für die Einführung von „Lernfenstern, mit deren Hilfe der Werkunterricht wieder in die Schulen zurückkehrt“. Und deshalb begrüßt sie auch die Imagekampagne des deutschen Handwerks, mit der die Botschaft vermittelt werde, „dass das Handwerk stolz auf das sein kann, was es leistet“.

Zu den weiteren Aufgaben, denen sie sich in ihrer Amtszeit widmen will, zählt sie, die Kompetenzen der Handwerkskammer in der Betriebsberatung und Weiterbildung zu stärken. Weiterbildung ist nach ihrer Auffassung „für Handwerksbetriebe unerlässlich, wenn sie betriebswirtschaftlich auf der Höhe der Zeit bleiben wollen“. Die Beratungsangebote der Kammer schätzt sie als „sehr gut“ ein. Es komme jetzt darauf an, „diesen Service bei den Betrieben bekannter zu machen und sie zu ermutigen, diese Angebote auch zu nutzen“.

Unterstützung für ihre Arbeit erhofft sich Brigitte Mannert von der Fachorganisation: von den Kreishandwerkerschaften, Innungen und Verbänden. Sie habe während ihrer Zeit als Vizepräsidentin mit der Fachorganisation „sehr gute Erfahrungen gemacht“. Die Innungen, so erläutert sie, seien „für die fachliche Betreuung der Betriebe unverzichtbar“. Sie wolle deshalb die Zusammenarbeit mit den handwerklichen Fachorganisationen pflegen, und das heiße für sie: „Eigene Standpunkte zu vertreten, aber auch den Ausgleich mit anderen Standpunkten und Interessen zu suchen“.

Als wichtigste Ziele, zu deren Verwirklichung sie in den kommenden fünf Jahren beitragen will, nennt die Kammerpräsidentin: ausbildungsreife Jugendliche in das Handwerk zu führen, mehr junge Leute für die Mitarbeit im Ehrenamt zu gewinnen und die Meisterprüfung zu stärken. Besonders am Herzen liege ihr aber – und sie sagt das mit einem selbstbewussten Lächeln –, daran mitzuwirken, „dass das Handwerk in der Gesellschaft wieder den Stellenwert bekommt, den es verdient“.