Aktuelle Geschäftslage nach Jahren_WEB

Konjunkturumfrage der Handwerkskammer der Pfalz im Herbst 2021

11.10.2021

Leichter Aufschwung in den von Corona betroffenen Handwerken – weiterhin volle Auftragsbücher bei Bau‐ und Ausbaubetrieben

Erkennbares Aufatmen in den Gewerken, die von den vergangenen Einschränkungen besonders getroffen waren. Das Vorkrisenniveau ist noch nicht überall erreicht. Dies bestätigt die aktuelle Herbstumfrage der Handwerkskammer der Pfalz, bei der 2.500 repräsentativ ausgewählte Betriebe zu den wichtigsten Konjunkturindikatoren befragt wurden. Aktuell bremsen jedoch die anhaltenden Lieferengpässe in vielen Branchen eine positivere Entwicklung aus.

Aktuelle Geschäftslage
Viele Unternehmen erholen sich derzeit von den negativen Auswirkungen der Corona‐Pandemie. 89 Prozent der Befragten bewerten ihre aktuelle Lage als gut (57) oder befriedigend (32); das entspricht einer Steigerung um 4 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.

Betriebsauslastung und Auftragslage
Die Betriebsauslastung hat sich gegenüber dem Vorjahresquartal erhöht. 74 Prozent aller Betriebe (Vorjahr: 67 Prozent) geben an, zu mehr als 70 Prozent ausgelastet zu sein. Die höchste Auslastung herrscht weiterhin im Bau‐ und Ausbauhandwerk. Erfreulich ist, dass sich die im letzten Jahr besonders von Einschränkungen betroffenen Gewerksgruppen, wie die personenbezogenen Dienstleister, erholen konnten. Nahrungsmittelhandwerker profitierten von den Wiedereröffnungen der Innen‐ und Außengastronomie sowie dem wiederbelebten Übernachtungsgewerbe infolge sinkender Infektionszahlen.

Die durchschnittlichen Auftragsbestände werden von 79 Prozent der Befragten als konstant bis überdurchschnittlich eingeordnet (Steigerung um 7 Prozentpunkte). Die größten Steigerungen sind in der Kfz‐Branche (um 18 Prozentpunkte), den Nahrungsmittelhandwerkern (um 10 Prozentpunkte) und den Handwerkern für den gewerblichen Bedarf, wie Feinwerkmechanikern, Elektromaschinenbauern oder Kälteanlagenbauern (um 12 Prozentpunkte), zu verzeichnen. Die Auftragsbücher der Handwerksbetriebe sind im Durchschnitt für 9,7 Wochen gefüllt, bei den Baubetrieben sogar für 12,7 und den Ausbaubetrieben für 12,2 Wochen. Für die Zukunft rechnen 63 Prozent der Betriebe mit einer konstanten Nachfrage und 24 Prozent mit einem weiteren Nachfrageanstieg.

Umsatz‐ und Preisentwicklung
Die verbesserte Auftragslage führte zu steigenden Umsätzen. 29 Prozent der Handwerksbetriebe berichten von gestiegenen und 49 Prozent von konstanten Umsätzen. Insbesondere die Ausbauhandwerker konnten ihren Umsatz um knapp 10 Prozent verbessern.

Die Bewertung der aktuellen Lage wird durch die anhaltenden Lieferengpässe und Materialpreiserhöhungen erschwert. Im Durchschnitt berichten 83 Prozent der Befragten von einem Anstieg der Einkaufspreise. Besonders deutlich wird dies bei den Ausbauhandwerken (96 Prozent), Nahrungsmittelbetrieben (95 Prozent) und Kfz‐Betrieben (85 Prozent). Bedingt durch weltweite Nachfrageverschiebungen in der Corona‐Pandemie und die Erhöhung des Konsums, sind viele Rohstoffe und Vorprodukte nicht mehr ausreichend vorhanden, was zwangsläufig zu Preissteigerungen führt. Der Verbraucherpreisindex (Inflationsrate) lag im August und September 2021 laut statistischem Bundesamt bei 4,1 Prozent (1). Im Schnitt erwarten 74 Prozent der Handwerker in Zukunft weitere Preisanstiege. Dies prognostizieren besonders die Ausbauhandwerker (87 Prozent), die Handwerker für den gewerblichen Bereich (78 Prozent) und Nahrungsmittelhandwerker (90 Prozent).

44 Prozent der Betriebe haben im letzten Quartal ihre Verkaufspreise erhöht (Herbst 2020: 18 Prozent). Immerhin noch 54 Prozent berichten von konstanten Verkaufspreisen. Aufgrund der anhaltenden Einkaufspreiserhöhungen und der hohen Inflationsrate müssen mehr Betriebe die Verkaufspreise anpassen. Neben den aktuellen Lieferengpässen gefährdet eine sinkende Rentabilität die erwartete Verbesserung der Geschäftslage.

Personalbestand und Investitionen
Der Personalbestand der Unternehmen blieb im Durchschnitt überwiegend konstant. In einigen Gewerken fand jedoch ein erkennbarer Personalabbau statt, ohne dass in der gleichen Höhe Personal aufgebaut werden konnte (bei 20,3 Prozent der Baubetriebe, 18 Prozent bei Handwerkern für den gewerblichen Bedarf und 20 Prozent bei Kfz‐Betrieben). Der Fachkräftebedarf steigt: 12 Prozent der Betriebe möchten aufgrund der anhaltend hohen Nachfrage Arbeitskräfte einstellen,
82 Prozent wollen mindestens ihren Personalbestand erhalten. Neben den anhaltenden Lieferengpässen wird der Fachkräftemangel vielen Betrieben in Zukunft große Probleme bereiten, Kundennachfragen zeitnah zu bedienen.

Gegenüber den vorhergehenden Befragungen in der Pandemie‐Zeit wird erfreulicherweise in den von Einschränkungen direkt betroffenen Gewerksgruppen (Personenbezogene Dienstleister wie Friseure oder Kosmetiker, Nahrungsmittelhandwerker und Gesundheitshandwerkern) kaum noch Personal abgebaut.

Bei 59 Prozent der Handwerksbetriebe liegt die Investitionstätigkeit auf Vorjahresniveau, bei 15 Prozent ist sie gestiegen. Vor dem Hintergrund der Umsatzsteuersenkung im zweiten Halbjahr 2020 ist die aktuelle Investitionsbereitschaft positiv zu bewerten. Zusätzlich wurden durch staatliche Förderprogramme weitreichende Anreize zur Steigerung der Investitionen und des Konsums geschaffen. Auch zukünftig planen die Betriebe weitere Investitionen.

Zukünftige Geschäftslage
18 Prozent der Betriebe rechnen im folgenden Quartal mit einer besseren Geschäftslage, 72 Prozent mit keiner Veränderung und nur 10 Prozent mit einer Verschlechterung. Die positive Entwicklung spiegelt sich im Geschäftsklimaindikator wider, der sich aus der aktuellen Geschäftslage und den Erwartungen zusammensetzt und somit als Frühindikator für die zukünftige Entwicklung dient. Im dritten Quartal 2021 liegt der Indikator bei 124 Punkten und damit 9 Punkte über dem Vorjahreswert vom Herbst 2020 und sogar 12 Punkte über dem Wert der Frühjahrsbefragung 2021.

Zusammenfassend sind die Ergebnisse der Umfrage zur Handwerkskonjunktur wieder erfreulicher. Mögliche Verschlechterungen der Corona‐Infektionslage stellen jedoch neben den Lieferengpässen, Materialpreiserhöhungen und dem Fachkräftemangel ein Risiko für die Geschäftslage im Handwerk dar. Die nächste Konjunkturumfrage findet im Frühjahr 2022 statt.

Gerne unterstützen die Berater der Handwerkskammer ihre Mitgliedsbetriebe bei der Bewältigung aktueller Schwierigkeiten ebenso wie bei der Erarbeitung neuer Strategien und Prozesse im betriebswirtschaftlichen und digitalen Umfeld. Kontakt zur Betriebsberatung: E‐Mail: beratung@hwk‐pfalz.de; Tel. 0631 3677‐112

(1) Quelle: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/09/PD21_462_611.html