03.07.2013Vollversammlung 2013
Ertragslage wird schmäler und Ausbildungszahlen bleiben rückläufig
Handwerkskammer der Pfalz stellt bei der Vollversammlung aktuelle
Wirtschafts- und Ausbildungsdaten und den Geschäftsbericht 2012 vor
Vor der Vollversammlung der Handwerkskammer der Pfalz hat Präsidentin Brigitte Mannert über eine konjunkturelle Eintrübung im pfälzischen Handwerk und einen erneuten Rückgang bei der Zahl der Lehrvertragseingänge berichtet. Den Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2012 stellte Hauptgeschäftsführer Ralf Hellrich vor. Als Gastreferent präsentierte Dr. Joachim Gerd Ulrich vom Bundesinstitut für Berufsbildung Untersuchungsergebnisse zur demografischen Entwicklung und ihre Folgen für den Ausbildungsmarkt.
In ihrem Sachstandsbericht sagte Mannert, dass „der lang anhaltende Winter und Umsatzrückgänge quer durch alle Branchen die Wirtschaftslage im pfälzischen Handwerk eingetrübt haben“. Sie erläuterte diese Einschätzung mit den Ergebnissen der Frühjahrsumfrage zur Handwerkskonjunktur: 74 Prozent der befragten Betriebe hätten sich gut oder zufriedenstellend zu ihrer Geschäftslage geäußert; das seien acht Prozentpunkte weniger als im Vorjahresquartal. Ein ähnliches Stimmungsbild zeige die Umsatzentwicklung: Mit 54 Prozent hätten zehn Prozent weniger Betriebe als vor einem Jahr von gestiegenen oder gleich hohen Umsatzzahlen berichtet.
Mannert wies darauf hin, das sich mit dem Bau und Ausbau und den Handwerken für den gewerblichen Bedarf „die Großwetterlage auch in den Gewerken verschlechtert hat, die den Boom der letzten zwei Jahre mitgetragen haben“. Dennoch zeige sich das pfälzische Handwerk für die zukünftige Geschäftsentwicklung optimistisch, da 82 Prozent eine Erholung in den kommenden Quartalen erwarten. Besorgt äußerte die Präsidentin sich zu der Entwicklung, dass 46 Prozent der Betriebe von gestiegenen Einstandspreisen berichten, aber nur 18 Prozent höhere Kosten an ihre Kunden weitergeben konnten. Daran werde deutlich, „dass gestiegene Material- und Energiepreise die Ertragslage unserer Betriebe schmälern“.
Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl forderte Mannert von der Bundespolitik „Rahmenbedingungen zu erhalten und zu schaffen, die dazu beitragen, die stabilisierende Rolle, die das Handwerk in den letzten zwei Jahren in der Wirtschaft gespielt hat, zu verstetigen“. Dazu gehörten eine grundlegende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung. Plänen für neue und höhere Steuern erteilte die Präsidentin eine deutliche Absage, da von höheren Spitzensteuersätzen oder gar einer Vermögensteuer nicht „nur reiche Privatpersonen, sondern auch Betriebsvermögen“ betroffen wären.
In ihrem Bericht zur Ausbildungssituation wies die Kammerpräsidentin darauf hin, dass die Zahl der Lehrvertragseingänge zum 31. Juni um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen ist. Quer durch alle Branchen würden Lehrlinge gesucht, „Die Bewerber haben die Wahl – die Unternehmen die Qual“, sagte Mannert. Mit Sorge beobachte deshalb das Handwerk den rapiden Anstieg der Abiturientenquote auf mittlerweile über 50 Prozent im Land. Dazu trage auch die Einführung der Realschule plus bei, da mit „dem Angebot der Fachhochschulreife Jugendlichen und Eltern vorgegaukelt werde, jeder Realschüler könne Abitur machen“. Vor diesem Hintergrund forderte Mannert einen „Paradigmenwechsel in der Bildungspolitik zugunsten der dualen Berufsausbildung“ und „die tatsächliche und nachhaltige Etablierung einer systematischen Berufsorientierung“.
Dr. Joachim Gerd Ulrich bezeichnete es als ein „Problem für die duale Ausbildung, dass die Zahl der nichtstudienberechtigten Schulabgänger in Deutschland kontinuierlich zurückgeht“. Bei geringer werden Ausbildungszahlen sei das Handwerk bis 2025 gleichzeitig von überproportional hohen altersbedingten Abgängen seiner Arbeitnehmer betroffen. Als interessanten und für die Image- und Nachwuchswerbung des Handwerks wichtigen Aspekt bezeichnet Ulrich die Tatsache, dass Jugendliche ihre Ausbildungsstelle nicht danach auswählten, ob ihnen selbst der Beruf liegen würde. Vielmehr hätten Untersuchungen ergeben, dass ihr Berufswunsch in allererster Linie davon bestimmt werde, wie positiv ihn ihre Altersgenossen bewerteten, und dabei gehörten Handwerksberufe nicht zur ersten Wahl, sagte Ulrich.
Zu den wichtigsten statistischen Zahlen aus dem Geschäftsbericht 2012, den Hauptgeschäftsführer Ralf Hellrich vorstellte, gehört ein Anstieg der eingetragenen Handwerksbetriebe um 170 auf 17.838 und eine Abnahme der eingetragenen Ausbildungsverträge um 252 auf 6.766. Hellrich verwies – auch in seiner Funktion als Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der rheinland-pfälzischen Handwerkskammern – auf die gute Zusammenarbeit mit der Landesregierung und darauf, dass „wichtige Weichenstellungen für den Erhalt der Landesmittel für die Jahre 2014 und 2015 erreicht wurden“.
Im Rahmen der Vollversammlung wurde für die Arbeitnehmerseite Wolfgang Breitwieser als Nachfolger von Michael Strunk in den Vorstand gewählt. Strunk, der seit 1974 Mitglied der Vollversammlung und seit 1984 Vorstandsmitglied war, war auf eigenen Wunsch zum 31. März aus dem Vorstand ausgeschieden und wurde für seine „herausragende Verdienste um das pfälzische Handwerk“ mit der Großen Ehrennadel der Handwerkskammer ausgezeichnet. Mit der Ehrennadel in Gold wurden ausgezeichnet: Bernd Lederer (Neustadt), Kurt-Heinz Petry (Kell am See), Willi Planz (Bolanden), Ferdinand Schlickel (Birlenbach), Oswald Schuster (Niederkirchen) und Matthias Schwarz (Bruchweiler-Bärenbach).